Der neue Roman „Die Kinder sind Könige“ von Delphine de Vigan ist kein Krimi, auch wenn bereits auf der ersten Seite die Kriminalpolizei ermittelt. Die junge Polizistin Clara, eine analytisch denkende Singlefrau, die sich wenig Gedanken um die Meinung anderer macht, ermittelt in einem Entführungsfall.

Vermisst wird die etwa sechsjährige Kimmy Diore, die nach einem Versteckspiel mit ihrem Bruder Sammy verschwunden bleibt.

Gemeinsam mit dem Leser taucht die Kriminalbeamtin Clara während der Ermittlungen in eine ihr völlig fremde Welt ein.

Kimmys Mutter Melanie betreibt auf YouTube einen Kanal, auf dem sie mehrfach wöchentlich Stories ihrer Kinder Sammy und Kimmy postet. Was anfänglich zart begann, ist zu einem großen Unternehmen geworden. Der YouTube Kanal Happy Récré hat regelmäßig viele Millionen Aufrufe und Follower. Alles was die Kinder tun und lassen wird gepostet und öffentlich gemacht. Die Geschwister sind social media stars und landesweit bekannt. Mit zunehmender Bekanntheit werden die Kinder in der Schule zu Außenseitern, es fehlt ihnen Zeit für das normale Leben. Natürlich weckt die mediale Präsens der Kinder die Aufmerksamkeit von Markenfirmen, die ihre Produkte gern auch auf diesem Weg vermarkten wollen. Die Kinder werden mit Waren überschüttet. Produkte müssen vor laufender Kamera ausgepackt, bejubelt und bestaunt werden. Klicks und Likes immer im Blick. Die Familie hat ein gutes Einkommen. Doch ist dies auch für die Entwicklung der Kinder gut?

Gesellschaftskritisch betrachtet Delphine de Vigan das mediale Zeitalter in dem YouTube, Instagram & Co unser Handeln und Denken beeinflussen.

Ein lesenswerter Roman, den ich Ihnen sehr empfehlen möchte.

 

Birgit Szage

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