Der Blick hält fest an dem schönen Umschlag, den der Hanser Verlag für Rafik Schamis neuen Roman entworfen hat. Tiefes Blau, grün und weiß, vielleicht das
Abbild einer alten Fliese. Ein schönes Buch! Und was verbirgt sich innen?
Der syrische Autor, der schon seit 1971 in Deutschland lebt, nimmt auch in diesem Roman die Themen wieder auf, die ihn literarisch und persönlich schon seit langem bewegen. Die allumfassende, große Liebe, die übermenschliche Hin- dernisse überwindet und manchmal doch scheitert. Die Heimat, die keine mehr ist und als Sehnsucht doch jede Minute präsent bleibt. Das Leben in einem Regime, das von Willkür und Zensur geprägt ist, die Unsicherheit über die eigene Zukunft und die der Kinder und nicht zuletzt die Unversöhnlich- keit zwischen den Religionen. Gerade jetzt, inmitten des Zuzugs Hunderttausender Syrer nach Deutschland ist man versucht, den Ro- man nach Antworten abzusuchen, wie das Leben in Syrien und der gesamten Region so aus den Fugen geraten konnte. Schami ist ein begnadeter Erzähler, der seine Figuren warmherzig und liebenswert zeichnet, er beschreibt gesellschaftliche Entwicklungen anhand der persönlichen Erfahrungen und Handlungen seiner Protagonisten. So lernt man eine Reihe unangepasster Personen kennen, die ihren Platz in Familie und Staat verlieren. Die Auswanderung bzw. Flucht in ein anderes Land erscheint oft als einziger Ausweg um Luft zum Atmen zu bekommen. Anhand von Rückblenden und in mehreren Erzählsträngen entwickelt sich ein Gesell- schaftspanorama gutsituierter Familien in Damaskus. Sophia, die zentrale Frauenfigur des Romans, versucht ein Leben in Würde zum Besten aller in ihrer Familie, unter Zurücklassen vieler Träume und Ideale.

Ina Skorka-Müller

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