Was geschah damals in den 1870er Jahren? Eine »Lappalie« veränderte damals das Leben des baltischen Adelssprosses Eduard Graf von Keyserling. Diesem Geheimnis ist Klaus Modick in seinem neuen Künstlerroman auf der Spur. Rahmenhandlung ist eine Sommerfrische am Starnberger See, zu der der Dramatiker Max Halbe seine Schwabinger Freunde im Jahr 1901 einlädt. Darunter auch den Dandy und geheimnisumwobenen Grafen. Keyserling sitzt dort dem Maler Lovis Corinth Modell. Das legendäre Porträt, bei dessen Entstehung der Leser Zeuge sein wird, ist dem Text vorangestellt. Es zeigt ein eher abstossendes Bild des bereits von der Syphilis gezeichneten Autoren. Während der Sitzungen tauchen immer wieder Fragen zu Keyserlings Vergangenheit auf. Erst bei einem Konzertbesuch mit Frank Wedekind kommt Licht in den über 20 Jahre zurückliegenden Skandal, der Keyserling zur Flucht zwang und ihn das Leben eines Außenseiters führen ließ. Ein sehr unterhaltsamer und geistreicher Roman mit viel Witz, der Lust macht, sich weiter mit dem Werk Keyserlings zu beschäftigen. Modick versteht es gekonnt, die gesellschaftlichen Widersprüche der Jahrhundertwende aufzuzeigen und davon zu erzählen, wie Keyserling zu jenem brillanten Schriftsteller wurde, der den Zerfall der eigenen Klasse mit Melancholie undscharfsinniger Ironie beschrieb.

Claudia Habermann

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