Milena Michiko Flasar ist die Zauberin der leisen Töne. Vieles bleibt dem Leser überlassen, kaum etwas wird zu Ende erzählt. Das ist nicht für jeden was, aber wer sich auf das Spiel aus Erinnerungen, Träumen und verpassten Chancen einlässt, der wird mit einem wunderbar zarten und melancholischen Lesegenuss belohnt.
Herr Kato wurde gerade frisch pensioniert. Zu Hause weiß er nichts mit sich anzufangen, ist doch die Arbeit als Lebensinhalt entfallen. Gemeinsame Aktivitäten mit seiner Frau sind nicht in Sicht, im Gegenteil, sie ist von ihm genervt und sucht sich neue Hobbys. Da kommt ihm das Angebot in der Agentur »Happy Family« zu arbeiten gerade recht. Familien, denen Mitglieder verloren gegangen sind, mieten sich einen Opa für einen Nachmittag, einen Ehemann für einen Tag oder einen Hochzeitsredner für ein paar Stunden. Herr Kato, der sonst eher unwirsch auftritt, schlüpft freudig in die Rollen anderer Menschen und verbringt einen frohen Nachmittag mit einem Jungen, der einmal nur seinen Großvater kennen lernen wollte. Er hält eine Rede auf eine schwerkranke Braut und lässt sich auch noch scheiden – als gemieteter Ehemann. Diese geliehenen Leben sind ihm fremd und haben doch sehr viel mit ihm zu tun. Und nach und nach kehrt die Lebendigkeit in sein Leben zurück und eine zuversichtliche Zukunft wird möglich. Eine schöne und berührende Geschichte mit starker Sogkraft. P.S. Agenturen dieser Art gibt es in Japan tatsächlich!

David Groebner

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